Insolvenzwelle
Wirtschaftliche Entwicklung und Bedeutung für Interim Mandate
Zusammenfassung
Die vorgelegten Informationen zeigen ein widersprüchliches Bild der deutschen Wirtschaft: Die Wachstumsprognose für 2026 wurde auf 1,4 Prozent angehoben, gleichzeitig steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Ein besserer gesamtwirtschaftlicher Durchschnitt bedeutet daher nicht, dass sich die Lage für alle Unternehmen verbessert.
Für Interim Manager entsteht daraus ein Markt mit Chancen und Unsicherheiten. Besonders gefragt sind offenbar Unterstützung bei Restrukturierungen und Sanierungen. Zugleich werden Mandate kürzer, weshalb die Anschlussakquise bereits während eines laufenden Mandats wichtig bleibt.
Wirtschaftliche Lage und Insolvenzen
Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut dem vorgelegten Beitrag 12.812 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das entspricht einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ist der höchste Stand seit 2013. Besonders betroffen seien größere Unternehmen, darunter Betriebe aus der Autoindustrie.
Die Insolvenzhäufigkeit unterscheidet sich deutlich nach Branchen:
- Verkehr und Lagerei: 71,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
- Gastgewerbe: 59,6
- Baugewerbe: 53,4
- Durchschnitt aller Branchen: 36,2
Als Belastungen werden hohe Finanzierungskosten, Energiepreise, Rückzahlungsdruck aus Corona-Hilfen und strukturelle Veränderungen genannt. Eine ifo-Umfrage vom April 2026 ergab dem Beitrag zufolge, dass 8,1 Prozent der befragten Unternehmen ihren Fortbestand als gefährdet einschätzten. Häufig genannte Gründe waren Kaufzurückhaltung, Online-Konkurrenz und steigende Kosten.
Bedeutung für Interim Manager
Wenn Aufträge zurückgehen, die Finanzierung schwieriger wird oder Geschäftsmodelle angepasst werden müssen, benötigen Unternehmen kurzfristig Unterstützung. Typische Aufgaben liegen in der Stabilisierung, Restrukturierung und Sanierung. Interim Manager können dabei helfen, schnell Struktur zu schaffen und notwendige Entscheidungen umzusetzen.
Die im Beitrag angeführte DDIM-Mitgliederbefragung deutet zugleich auf eine hohe Auslastung bei kürzeren Mandaten hin:
- 68,7 Prozent der Befragten waren aktuell in einem Mandat.
- Der Anteil der aktiv Suchenden sank von 31 auf 21,8 Prozent.
- Die durchschnittliche geplante Mandatsdauer betrug 10,3 Monate.
- Rund 40,5 Prozent der Mandate waren auf höchstens sechs Monate angelegt.
Daraus folgt: Interim Manager sollten die Suche nach einem Folgeauftrag nicht erst nach Mandatsende beginnen. Auch bei guter Auslastung bleibt die Planung der nächsten Station wichtig.
Umgang mit möglichen Mandatsverlängerungen
Diese Kolumne beschreibt die Unsicherheit nach einem Mandatsende, wenn eine Fortsetzung nach einer Unterbrechung möglich, aber noch nicht sicher ist. Wer sich verfügbar hält, kann die Fortsetzung erleichtern, riskiert aber, in dieser Zeit ein anderes Mandat zu verpassen. Wer sofort neue Aufträge sucht, könnte wiederum nicht mehr verfügbar sein, wenn das erste Projekt weitergeht.
Die Entscheidung hängt von der eigenen finanziellen Lage, der Risikobereitschaft und der Verlässlichkeit der Perspektive ab. Eine mögliche Fortsetzung ist noch kein sicherer Auftrag. Ist der Zeitraum überschaubar und die Aussicht realistisch, kann es dennoch sinnvoll sein, bewusst verfügbar zu bleiben. Eine solche Entscheidung sollte zeitlich begrenzt und mit einem klaren Blick auf das wirtschaftliche Risiko getroffen werden.
Schlussfolgerung
Die Kombination aus moderatem Wirtschaftswachstum und steigenden Insolvenzen spricht für einen differenzierten Interim-Markt. Restrukturierungs- und Sanierungskompetenz kann gefragt sein, während kürzere Mandate eine vorausschauende Akquise erfordern. Auch Übergangszeiten zwischen Mandaten gehören zur unternehmerischen Realität. Sie können bewusst genutzt werden, sollten aber nicht ohne klare Einschätzung von Dauer, Wahrscheinlichkeit und persönlichem Risiko verstreichen.