Interim Management: Wann es sich lohnt, was es kostet und wie ein Mandat abläuft
Interim Management bedeutet: Eine erfahrene Führungskraft übernimmt für einen begrenzten Zeitraum eine Leitungsfunktion in Ihrem Unternehmen – mit echter Entscheidungsbefugnis und Verantwortung für das Ergebnis. Anders als ein Berater schreibt der Interim Manager keine Empfehlung, sondern setzt sie selbst um. Und anders als eine Festanstellung endet das Mandat, sobald die Aufgabe erledigt ist.
Ich bin Lars Otto, Interim Manager und Sanierungsberater – mit Sitz in Stuttgart und im Einsatz in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. In über 25 Jahren habe ich Unternehmen geführt, aufgebaut, saniert und verkauft – vom Zehn-Personen-Betrieb bis zur Gruppe mit rund 480 Mitarbeitenden an zehn Standorten in der DACH-Region. Auf dieser Seite fasse ich zusammen, was Geschäftsführer, Gesellschafter und Beiräte über Interim Management wissen sollten, bevor sie ein Mandat vergeben.
Was ist Interim Management?
Interim Management ist Führung auf Zeit. Ein Unternehmen holt sich für einige Monate eine Person, die sofort eine Rolle übernehmen kann: Geschäftsführer, CEO, CRO (Chief Restructuring Officer), Bereichs- oder Standortleiter. Die Person ist in der Regel selbstständig und arbeitet auf Basis eines Dienst- oder Werkvertrags, oft auch mit Organstellung (z. B. als eingetragener Geschäftsführer).
Drei Merkmale unterscheiden Interim Management von anderen Formen externer Unterstützung:
- Linienverantwortung: Der Interim Manager führt Menschen, trifft Entscheidungen und unterschreibt.
- Ergebnisverantwortung: Gemessen wird nicht die Qualität eines Konzepts, sondern ob Liquidität, Marge, Termine oder Übergabe erreicht wurden.
- Begrenzte Dauer: Das Mandat hat ein Ziel und ein Ende. Typisch sind drei bis 18 Monate.
Der Markt ist in Deutschland gut etabliert. Die DDIM-Marktstudie 2026 schätzt das Marktvolumen auf rund 2,7 Milliarden Euro und rechnet mit rund 12.500 aktiven Interim Managern.
Wann lohnt sich ein Interim Manager?
Ein Interim Manager lohnt sich immer dann, wenn eine Führungsaufgabe sofort besetzt werden muss, mehr Erfahrung verlangt, als intern vorhanden ist, und nicht dauerhaft in dieser Form bestehen bleibt. In meiner Praxis sind das vor allem sechs Situationen:
- Krise und Turnaround: Umsatz bricht ein, Liquidität wird knapp, Banken werden nervös. Hier zählt jede Woche. Mehr dazu auf der Seite Sanierung & Restrukturierung.
- Restrukturierung und Sanierung: StaRUG-Verfahren, Eigenverwaltung, Standortschließungen oder Kostenprogramme brauchen jemanden, der die Umsetzung führt und mit Gläubigern, Sachwaltern und Belegschaft spricht.
- Vakanz in der Geschäftsführung: Ein Geschäftsführer fällt aus oder geht, der Nachfolger ist noch nicht gefunden.
- Nachfolge und Übergabe: Der Gründer will loslassen, aber das Unternehmen ist noch nicht übergabefähig.
- Wachstum und Skalierung: Neue Standorte, Zukäufe (Buy-and-Build), Franchise-Aufbau oder ein Carve-out überfordern die bestehende Organisation. Mehr dazu auf der Seite Skalierung & Wachstum.
- Transformation: Digitalisierung, KI-Einführung oder ein neues Geschäftsmodell müssen nicht nur geplant, sondern im Alltag durchgesetzt werden.
Weniger geeignet ist Interim Management, wenn Sie vor allem eine Analyse oder Zweitmeinung brauchen. Dann ist ein Sparringspartner oder eine Beratung mit Umsetzungsbegleitung oft die bessere Wahl – siehe Resulting statt Consulting.
Interim Manager oder Unternehmensberater?
Die Frage höre ich in fast jedem Erstgespräch. Die kurze Antwort: Der Berater empfiehlt, der Interim Manager entscheidet.
| Kriterium | Unternehmensberater | Interim Manager |
|---|---|---|
| Rolle | Externe Sicht, Analyse, Konzept | Führungskraft in der Linie |
| Verantwortung | Für die Qualität der Empfehlung | Für das Ergebnis im Unternehmen |
| Entscheidungsbefugnis | Keine | Ja, oft mit Organstellung |
| Team | Meist Beraterteam | Eine Person, führt Ihr Team |
| Abrechnung | Projekt- oder Tagessätze pro Berater | Tagessatz für eine Person |
| Ende | Mit Abgabe des Konzepts | Mit Erreichen des Ziels und Übergabe |
In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Viele Mandate beginnen mit einer kurzen Analysephase und gehen dann in die operative Führung über. Genau dafür steht mein Ansatz „Resulting statt Consulting“: erst verstehen, dann gemeinsam planen, dann selbst umsetzen.
Welche Rollen übernimmt ein Interim Manager?
Die häufigsten Rollen in meinen Mandaten:
- Interim-Geschäftsführer / Interim CEO: Gesamtverantwortung, oft mit Handelsregistereintrag.
- Interim CRO (Chief Restructuring Officer): verantwortet Sanierung, Liquiditätsplanung, Gläubigerkommunikation und Restrukturierungsplan – häufig neben der bestehenden Geschäftsführung.
- Interim COO / Betriebsleiter: stabilisiert Abläufe, Standorte, Einkauf und Logistik.
- Projektleiter für Sondersituationen: Standortschließung, Integration nach Zukauf, Carve-out, Vorbereitung eines Verkaufs.
Was kostet Interim Management?
Interim Manager rechnen in der Regel über einen Tagessatz ab. Laut der DDIM-Marktstudie 2026 liegt der durchschnittliche Tagessatz in Deutschland bei rund 1.317 Euro. Die Spanne ist groß: Sie hängt von Rolle, Branche, Dringlichkeit, Verantwortung und Dauer ab. Für eine Geschäftsführungs- oder CRO-Rolle in einer Krise liegen die Sätze meist über dem Durchschnitt.
Hinzu kommen Reisekosten und – wenn ein Provider vermittelt – dessen Marge. Bei direkter Beauftragung entfällt die Vermittlungsprovision.
Die bessere Frage ist allerdings: Was kostet es, die Stelle nicht zu besetzen? Drei Monate ohne Führung in einer Liquiditätskrise können die Existenz kosten. Drei Monate Verzögerung bei einer Integration kosten Kunden und Mitarbeitende. Ein Interim Manager ist teuer pro Tag, aber günstig im Vergleich zu einer Fehlbesetzung in Festanstellung, deren Kosten schnell ein Jahresgehalt übersteigen.
Wie läuft ein Interim-Mandat ab?
Jedes Mandat folgt bei mir denselben vier Rollen: Zuhörer, Denker, Sparringspartner, Umsetzer.
- Erstgespräch (Zuhörer): Was ist wirklich los? Welche Zahlen, welche Menschen, welcher Zeitdruck? Das Gespräch ist kostenfrei und vertraulich.
- Mandatsklärung (Denker): Ziel, Rolle, Vollmachten, Dauer, Berichtswege und Erfolgskriterien werden schriftlich festgelegt. Einsatzbereit bin ich in der Regel innerhalb weniger Tage.
- Die ersten 30 Tage (Sparringspartner): Bestandsaufnahme, Liquiditätsvorschau, Gespräche mit Schlüsselpersonen, erste Sofortmaßnahmen. Gesellschafter und Beirat bekommen früh ein ehrliches Lagebild.
- Umsetzung (Umsetzer): Maßnahmen werden geführt, nicht nur verfolgt. Wöchentliche Steuerung, klare Verantwortlichkeiten, sichtbare Ergebnisse.
- Übergabe: Das Mandat endet mit einer geordneten Übergabe – an eine neue Führungskraft, an das bestehende Team oder an einen Käufer.
Woran erkennen Sie einen guten Interim Manager?
- Er hat die Situation schon erlebt – nicht nur beraten. Fragen Sie nach konkreten Mandaten, Unternehmensgrößen und Ergebnissen.
- Er ist sofort verfügbar und kann benennen, wann er vor Ort ist.
- Er spricht offen über Risiken – auch über unbequeme.
- Er bringt ein Netzwerk mit: Sanierungsanwälte, Insolvenzverwalter, Fördermittelberater, Finanzierer. In Krisen spart das Wochen.
- Er plant seinen Ausstieg von Anfang an. Ein guter Interim Manager macht sich überflüssig.
Direkt oder über einen Provider?
Interim-Provider haben große Pools und übernehmen die Vorauswahl. Das ist hilfreich, wenn Sie keine Kontakte haben. Die direkte Beauftragung ist schneller, günstiger und persönlicher – Sie sprechen vom ersten Tag an mit der Person, die das Mandat führt. Worauf Sie bei Providern achten sollten, steht im Beitrag Interim-Provider: Auswahlkriterien richtig prüfen.
Erfahrung aus der Praxis
Ein paar Stationen, die zeigen, woher meine Erfahrung kommt:
- Aufbau einer Gruppe auf rund 480 Mitarbeitende an zehn Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz – über Zukäufe, Buy-and-Build und Franchise.
- 25 Jahre Ausstattung internationaler Sportgroßveranstaltungen und Messen – Termine, die nicht verschoben werden können.
- Sanierungen und Restrukturierungen seit 2018 in Unternehmen mit zehn bis 480 Mitarbeitenden, darunter die Führung eines Unternehmens in Eigenverwaltung in enger Zusammenarbeit mit dem Sachwalter.
- Aufbau und Exit eines Unternehmens im Bereich medizinisches Cannabis sowie eines Gebäudedienstleisters.
Branchen: Events und Messen, Facility Management, Immobilien, Pharma, Onlinehandel, KI.
Häufige Fragen zu Interim Management
Wie schnell kann ein Interim Manager starten?
Meist innerhalb weniger Tage nach dem Erstgespräch. In Krisen ist ein Start in derselben Woche möglich.
Wie lange dauert ein Interim-Mandat?
Typisch sind drei bis 18 Monate. Krisenmandate sind oft kürzer und intensiver, Transformations- und Integrationsmandate länger.
Kann ein Interim Manager als Geschäftsführer eingetragen werden?
Ja. Die Bestellung zum Geschäftsführer ist üblich, wenn der Interim Manager nach außen vertreten und unterschreiben soll. Rolle und Vollmachten werden dann vertraglich geregelt.
Was passiert nach dem Mandat?
Das Ziel ist eine geordnete Übergabe. Auf Wunsch begleite ich die Nachfolge noch einige Wochen oder bleibe als Beirat oder Sparringspartner verbunden.
Arbeiten Sie deutschlandweit?
Ja. Mein Sitz ist Stuttgart, ich arbeite deutschlandweit, in der gesamten DACH-Region und auf Anfrage international. Dazu kommt ein Partnernetzwerk, das bundesweit im Einsatz ist.
Ein Problem, das gelöst werden muss?
Schildern Sie mir die Lage in einem vertraulichen Erstgespräch. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob Interim Management die richtige Lösung ist – oder ob etwas anderes besser passt.
Lars Otto – Der Lösungsmacher
E-Mail: lars.otto@ai-live.info · Telefon: +49 171 3607424