Unternehmensnachfolge und Beirat: Wie Übergabe im Mittelstand gelingt
Eine Unternehmensnachfolge gelingt, wenn das Unternehmen übergabefähig ist, bevor der Inhaber geht. Das heißt: Wissen, Entscheidungen und Beziehungen hängen nicht mehr an einer Person. Wer das Jahre vorher angeht, hat die Wahl zwischen Familie, Management, Käufer oder Stiftung. Wer zu spät kommt, verkauft unter Druck – oder gar nicht.
Ich bin Lars Otto, Interim Manager – bundesweit und in der DACH-Region im Einsatz. Ich habe selbst ein Familienunternehmen übernommen, als ich Anfang 20 war, und später Unternehmen aufgebaut, gekauft und verkauft. Ich kenne beide Seiten: den, der übergibt, und den, der übernimmt.
Warum Nachfolge so oft scheitert
Die Zahl der Inhaber im Mittelstand, die in den nächsten Jahren eine Nachfolge suchen, ist hoch – und viele finden keine. Die Ursachen sind selten fehlende Käufer allein:
- Alles hängt am Inhaber. Kunden, Lieferanten, Banken und Mitarbeitende sprechen nur mit ihm.
- Es gibt keine zweite Führungsebene. Niemand hat gelernt, selbstständig zu entscheiden.
- Zahlen sind nicht käufertauglich. Planung, Controlling und Verträge sind im Kopf, nicht im System.
- Der Zeitpunkt wird verschoben. Loslassen fällt schwer – bis Gesundheit oder Markt die Entscheidung erzwingen.
- Familie und Unternehmen werden vermischt. Erwartungen sind unausgesprochen, Rollen unklar.
Die fünf Schritte zu einer geordneten Nachfolge
- Entscheidung und Zeitplan: Wann wollen Sie abgeben? Welche Rolle wollen Sie danach haben – keine, Beirat, Gesellschafter?
- Übergabefähigkeit herstellen: Zweite Führungsebene aufbauen, Prozesse dokumentieren, Controlling und Planung professionalisieren, Abhängigkeiten von einzelnen Kunden oder Personen senken.
- Nachfolgemodell wählen: Familie, Management-Buy-out, Management-Buy-in, Verkauf an Strategen oder Finanzinvestor, Stiftung.
- Übergang gestalten: Nachfolger einarbeiten, Verantwortung schrittweise übertragen, Kunden und Mitarbeitende mitnehmen.
- Loslassen: Die neue Führung führt. Der Alt-Inhaber begleitet – wenn gewünscht – aus dem Beirat.
Mehr zur Vorbereitung eines Verkaufs im Beitrag Exit-Vorbereitung: Firma richtig aufsetzen und zur Frage Asset Deal oder Share Deal.
Der Beirat: Distanz, Struktur und eine Stimme, die bleibt
Ein Beirat ist ein beratendes oder kontrollierendes Gremium, das sich ein Unternehmen freiwillig gibt – etwa in der GmbH über den Gesellschaftsvertrag. Gerade in der Nachfolge ist er wertvoll:
- Er schafft Distanz. Entscheidungen werden sachlich vorbereitet, nicht nur aus Gewohnheit getroffen.
- Er gibt dem Nachfolger Rückhalt – und dem Inhaber die Sicherheit, dass jemand hinschaut.
- Er bündelt Erfahrung, die im Unternehmen fehlt: Finanzen, Recht, Vertrieb, Sanierung.
- Er bleibt, wenn der Inhaber sich zurückzieht, und sorgt für Kontinuität.
Entscheidend ist die Besetzung: unabhängige Mitglieder mit Unternehmererfahrung, klare Rechte und Pflichten in einer Geschäftsordnung, feste Sitzungstermine. Ein Beirat aus Freunden und Hausberatern bringt selten die nötige Distanz. Mehr dazu im Beitrag Interim CEO versus Beirat richtig einsetzen.
Interim-Geschäftsführung als Brücke
Nicht immer ist der Nachfolger sofort bereit. Dann schließt ein Interim-Geschäftsführer die Lücke:
- Übergangsführung, wenn der Inhaber kurzfristig ausfällt oder früher gehen will.
- Übergabefähigkeit herstellen, während der Inhaber noch da ist – mit der Autorität einer Führungskraft, nicht eines Beraters.
- Nachfolger einarbeiten, bis dieser die Verantwortung vollständig übernehmen kann.
- Verkauf vorbereiten und begleiten, damit das Unternehmen aus einer stabilen Lage heraus verkauft wird.
Wie ein solches Mandat aufgebaut ist, steht auf der Seite Interim Management. Steckt das Unternehmen zusätzlich in einer Ertrags- oder Liquiditätskrise, gehört die Stabilisierung vor die Übergabe – siehe Sanierung & Restrukturierung.
Die emotionale Seite
Nachfolge ist nie nur eine Frage von Zahlen. Die Firma trägt Ihre Handschrift. Jede Entscheidung, jeder Kunde, jede Krise – Sie haben sie gemeistert. Genau das macht die Übergabe so schwer. Niemand kennt das Unternehmen so wie Sie, und genau das wird zum Risiko.
Meine Erfahrung: Nachfolge beginnt nicht mit dem Abschied. Sie beginnt Jahre vorher – mit einem Plan, der trägt, wenn Sie es nicht mehr tun.
Häufige Fragen zur Nachfolge
Wann sollte ich mit der Nachfolgeplanung beginnen?
Idealerweise drei bis fünf Jahre vor der geplanten Übergabe. Der Aufbau einer zweiten Führungsebene und käufertauglicher Zahlen braucht Zeit.
Brauche ich einen Beirat?
Pflicht ist er in der GmbH nicht. Sinnvoll ist er, wenn der Inhaber sich zurückziehen will, mehrere Gesellschafter beteiligt sind oder ein familienfremder Geschäftsführer eingesetzt wird.
Was kostet ein Interim-Geschäftsführer in der Nachfolge?
Abgerechnet wird über einen Tagessatz. Die DDIM-Marktstudie 2026 nennt einen Durchschnitt von rund 1.317 Euro. Verglichen mit dem Wert eines geordnet übergebenen Unternehmens ist das meist ein kleiner Betrag.
Kann ich nach der Übergabe im Unternehmen bleiben?
Ja – als Gesellschafter, Beirat oder Berater. Wichtig ist, dass die Rollen klar geregelt sind und der Nachfolger tatsächlich führen darf.
Sie denken über die Übergabe nach?
Sprechen wir darüber – vertraulich und ohne Verpflichtung. Im Erstgespräch schauen wir, wie übergabefähig Ihr Unternehmen heute ist und welcher Weg zu Ihnen passt.
Lars Otto – Der Lösungsmacher
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